der scheinbare widerspruch zwischen dualität und nondualität
Das Wissen um die Nichtexistenz des scheinbaren Seins und die gleichzeitige eingebildete Existenz auf Erden führen mitunter zu Widersprüchen.
Wie ist es möglich, die Aufmerksamkeit gleichzeitig nach Innen und nach Außen zu richten? Wie kann man mit dem Körper leben, sich aber gleichzeitig nicht mit ihm identifizieren? Wie kann man sich auf die eigene Wirklichkeit fokussieren und dennoch kollektivbewusst aktiv (und politisch-sozial) handeln? Wie aus einer inneren Haltung des Friedens gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch gegenüber stehen?
Im erstem Moment sind dies für den denkenden Verstand scheinbar unüberwindliche Hindernisse, da das denkende Bewusstsein nicht in der Lage ist, die Wirklichkeit zu erfassen oder zu verstehen. Dies erzeugt unweigerlich Widersprüche und Unklarheiten.
Ein wichtiger Schritt zur Lösung dieses Problemes besteht darin, das Denken aufzugeben, dem analytischen, trennenden Verstand die Macht zu entziehen.
Dies geschieht primär durch ein Gewahrsein des Augenblicks. Der Verstand und seine Konzeptbildung können im Moment des Gewahrseins nicht mehr existieren, da ihm die Grundlage entzogen wird. Das Sein im Moment, das Sein im Jetzt, kennt weder Dualität noch Nondualität - es ist.
Durch die Akzeptanz reinen Seins öffnen wir uns dem Allbewusstsein, dem Sein hinter den Gedanken, dem Fluss der reinen Kraft, dem unpersönlichen Willen.
In der Praxis bedingt dies jedoch zwangsläufig eine unabdingbare und radikale Selbsterkenntnis und -betrachtung, da unser Ego gewöhnt ist, die Dinge zu seinen Gunsten zu deuten und zu beeinflussen. Es biedert sich als unser bester Freund an, der stehts nur unser Wohl im Sinne hat - und doch ist es unser miserabelster Berater, ein Lügner und Betrüger. Es verspricht alles und hält nichts.
Wir müssen wieder lernen, Entscheidungen im Vertrauen und ohne einen Berater zu realisieren. Weder das Ego um Rat ersuchen, noch in uns hören (die "Engel" fragen, Tarotkarten legen, etc. pp.), um dann das Erfahrene mit dem denkenden Verstand zu analysieren und für unser Ego passend zurecht zu deuten.
Rein, um das seiende Bewusstsein zu praktizieren, ist notwendig sich völlig frei von allen Bezugs- und Ankerpunkten zu machen. Wann immer das Bewusstsein nach Hilfestellungen verlangt, ist es ein Zeichen von Angst, da es noch nicht bereit ist, sich ganz und gar frei von seinen Konzepten zu machen.
Wo immer Konzepte und Vorstellungen im Spiel sind, wird der Fluss des Seins unterbrochen oder gestört. Ganzheit wird getrennt, vollständige Heilung verhindert.
Das Konzept von Innen und Außen sind zwei typische Aspekte des Paradoxons des Verstandes. Das Außen, also der Körper, die Welt, aber auch die eigenen Gedanken oder die der Mitmenschen und eben alle Sinneswahrnehmungen - all dies liegt für den analytischen Verstand außerhalb von uns. Gut - Bauchschmerzen lokalisieren wir ins uns, und dennoch würden wir sie nicht mit unserem Denken oder dem Fühlen von Liebe gleich setzen.
Auf der anderen Seite sehen wir gerne unsere Gefühle in uns, eine geistige Welt in uns, oder einfach ein gewisses Potential, welches in uns brach liegt.
Dies Schubladendenken ist ein irreführender Versuch eine Ordnung zu finden oder zu organisieren, da der denkende Verstand für alles eine Grundlage haben möchte. Es ist die Natur des Intellektes, sich von seiner Quelle zu trennen, da er sich auf der Suche nach der Quelle immer mehr von ihr entfernt.
Es existieren weder Innen noch Außen, all dies sind Manifestationen eines im Bewusstsein liegenden Fehlgedankens. Diese Manifestation wird, solange einer lebt, ständig, in jeder Sekunde, neu erzeugt und mag dann vielleicht als “fremde” und bedrohliche Umwelt auf einen einstürzen. Aber diese Manifestation ist immer ein Ganzes, so sehr der Verstand sie auch aufzuspalten, in Schubladen (ich und “andere”, gut und böse, angenehm und unangenehm) aufzuteilen und einzuordnen sucht. Der Verstand versucht in dieser Umwelt zu operieren und zu manövrieren, aber das kann er nicht, einfach weil die Manifestation sich in ihrer Gesamtheit verändert und weil keine dieser Veränderungen unabhängig von einer anderen sein kann. Alles spielt zusammen und greift notwendig ineinander. Versucht sich die Quelle des Bewußtseins von diesem Geschehen abzukoppeln und darauf als neue Wesenheit (Selbstkonzept) einzuwirken, so erzeugt sie nichts anderes als selbstverursachtes Leiden, zusätzlich zu all den positiven oder negativen Sinneswahrnehmungen des Körpers.
Die Heilung dieses Widerspruchs besteht also in keiner neuen Handlung, sondern in einer Einsicht in die grundlegende Natur der Wirklichkeit. Im selben Moment wird die Identität mit Natur des Seins erfahren. Sie wird gesehen und miterlebt, wie diese Kraft sich in ständig neuen Ausdrucksformen (innerhalb und außerhalb des Körpers, der nun keine Grenze mehr darstellt) artikuliert. Diese Ausdrucksformen können leidvoll sein oder auch nicht, sie können “politisch problematisch” sein oder auch nicht, all dies läuft einfach ab, und auch das eigene Handeln inmitten dieses Kontinuums läuft einfach ab und ist zugleich in vollständigem Einklang damit — eben weil es gar keine zweierlei Instanzen oder Pole mehr gibt.
Es ist das völlige Aufgehen eines scheinbaren “Innen” im ebenso scheinbaren “Außen”. Einschließlich der Freisetzung aller aktiver Energien, die durch keine falschen (d.h. vom Verstand produzierten) Hemmungen mehr blockiert sind.
2 kommentare zu “der scheinbare widerspruch zwischen dualität und nondualität”
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….Es existieren weder Innen noch Außen, all dies sind Manifestationen eines im Bewusstsein liegenden Fehlgedankens. Diese Manifestation wird, solange einer lebt, ständig, in jeder Sekunde, neu erzeugt …..
Wie kann das ein Fehlgedanke sein, wenn die ganze Schöpfung darauf beruht? Solange ICH Mensch bin, erschafft mein dualer Verstand Raum und Zeit und ordnet darin die Dinge die ich bin. Das ist mein Selbstausdruck. Mein menschlicher Ausdruck IST das Universum wie es sich gebärdet. Wo ist da noch Platz für einen anderen Zustand? Ist es nicht so, dass ICH mich SELBST als Universum kreiere und mich damit sichtbar mache? Wenn ich dies nicht wollte, warum solltes es ein Universum geben, in dem ICH mich als Mensch plage?
;-) herzlichen Gruß & viel Erfolg
Joan
lieber joan,
lieben dank für deine wünsche :)
nondual betrachtet existiert kein wunsch, sich sichtbar zu machen. wozu? alles ist so, wie es ist perfekt.
dual betrachtet, sind wir teil des universums, aber nicht das universum. genauso wenig wie ich du und du ich bist. wären wir eins, würden wir hier nicht schreiben ;)
auch ist es so, dass unsere gedanken nicht aus uns selbst heraus entstehen, wie sowohl hermetik und neurowissenschaften zeigen. alleine aufgrund dieser bewandtnis ist der irdische mensch keinesfalls krone der schöpfung, sondern nur wirkung, nicht ursache oder gar urheber.
der fehlgedanke, auf den du bezug nimmst, ist die idee, von gott getrennt zu sein. hieraus ist das universum enstanden, aber es hat nicht mit gott zu tun. gott ist perfekt, das universum nicht – auch wenn wir versuchen, uns dies einzureden. aber was haben wandel, alter und zerfall mit perfektion zu tun?
es ist wahrlich nicht gottes wille, dass wir in angst, neid, wut, hass und missgunst leben – ganz im gegenteil.
erinnest du dich an den teil der bibel, an dem adam den apfel der "erkenntnis" aß? heißt es nicht sinngemäß, dass er danach in einen tiefen traum verfiel? es ist aber mit keiner silbe erwähnt, dass er wieder aufgewacht ist. so gesehen ist die vertreibung aus dem paradies eine illusion und alle weiteren schöpfungsmythen eben genau auch das. adam träumt immer noch…
nichts außer gott existiert wirklich. oder wie edgar allen poe so schön schrieb "is all what we see or seem just a dream within a dream?"
liebe grüsse,
thomas